Schon als kleiner Furz stand für mich früh fest: Muscle Cars sind cool. Das war’s im Prinzip auch schon, was ich über Autos im Allgemeinen wusste. Als ich irgendwann mal ’ne olle Karre im TV sah, die ich so noch nie auf der Straße gesehen hatte, bekam ich, auf Nachfrage hin, die Info, dass es sich dabei wohl um einen Mustang, ein amerikanisches Auto handeln würde. Auf die Frage, warum das Ding so geil klingen würde, lautete die Antwort: Das liegt am Motor- ein V8. Und damit war die Sache für mich im Prinzip gelaufen. Ich war komplett angefixt von Muscle Cars. Das Problem war nur, außer dem Mustang kannte ich nix. Somit war für mich, egal ob Chevelle, Charger, Firebird, GTO, Camaro etc. im Endeffekt erst mal jedes US Car, das so klang, als hätte es nen V8 unter der Haube, ein Mustang. Man stelle sich meinen Schock vor, als ich das erste Mal Zugriff aufs Internet hatte und Nachforschungen anstellen konnte. Es gab tatsächlich noch andere Modelle außer dem Mustang. Somit erklären sich auch die abweichenden Karosserieformen. Wer hätte das gedacht.
Womit wir auch schon beim Grund für dieses Stück Kompetenzlektüre wären. Mir fällt immer häufiger auf, dass es gestandene Männer gibt, die über so ziemlich das gleiche Basiswissen verfügen, wie ich, als ich ca. 12 Jahre alt war. Ein untragbarer Zustand!
Um diese Übersicht so kompakt wie möglich, gleichzeitig aber halbwegs informativ zu halten, werde ich davon absehen, zu sehr in Details zu versinken, wie z.B. verfügbare Motoren, Sondereditionen etc. Denn die gab es massenhaft.

Die Definition:

Es gibt Muscle Cars und es gibt Pony Cars. Das mag für einige ggf. wie Haarspalterei wirken, aber z.B. der Mustang- das wohl bekannteste Modell der Zucht und das bis heute am meisten verkaufte Auto aller Zeiten, war kein Muscle Car. Um genau zu sein, war der Mustang zu seiner Anfangszeit ne Hausfrauenkarre. Bedingt durch ihre, verhältnismäßig, kompakten Außenmaße fielen Modelle wie; Mustang, Camaro und Firebird in die Kategorie „Poney Car“. Dann gab es noch die dicken Oschis. Größer, stärker, bunter und schwerer ebneten GTO, Charger, Challenger, Barracuda und Konsorten den kultigen Weg in die automobile Geschichte Amerikas. Im Prinzip sind Muscle Cars amerikanische Großserien-Coupés aus den ’60er und frühen ’70er Jahren mit deutlich größeren Motoren.
Es gibt keine deutschen, englischen, italienischen oder sonst was für „muscle car- ähnlichen“ Varianten, Interpretationen oder Ableger von Muscle Cars. Ein Muscle Car ist ein Muscle Car. Punkt. Fertig. Aus!

Die Ära:

Obwohl die Idee, große Motoren in gewöhnliche Autos zu bauen bis ins Zeitalter der Alkoholschmuggler während der großen Rezession zurück geht, ist die relevante Muscle Car Ära von 1964 bis 1973 zu beziffern. 1973 gab’s leider ’ne kleine Ölkrise und somit war’s das erst mal für die dicken V8s.

Die Zielgruppe, Sinn und Zweck:

Muscle Cars wurden von Amerikanern für Amerikaner, die auf amerikanischen Straßen, in amerikanischen Straßenverkehr in Amerika fahren sollten, gebaut. Um genau zu sein, waren die Haupt-Zielgruppen Jugendliche und die Arbeiterschicht. Denn das Potenzial an Kundschaft, die ’ne geile, leistungsstarke Karre kaufen wollten, aber keine Kohle für teure europäische Sportwagen hatten, war immens. Wer schon mal in den US und A war, sollte festgestellt haben, dass die Straßen breit gebaut, mit schlechtem Belag versehen sind und endlos geradeaus verlaufen. Entsprechend ist es relevant zu verstehen, dass Muscle Cars, bzw. amerikanische Autos allgemein nicht dazu gebaut wurden, um mit europäischen oder asiatischen Sportwagen zu konkurrieren! Das war schicht und ergreifend nicht die Zielsetzung. Die Autos waren auf den lokalen Markt und die lokalen Anforderungen ausgelegt. Entsprechend sind die Fahrleistungen nicht mit europäischen Autos zu vergleichen. Ich will nicht behaupten, dass die Amis keine Ahnung davon hatten, wie man ein Auto alternativ und für unsere Begriffe „besser“ hätte bauen können, aber den Zweck den sie erfüllen sollten, haben sie zu 100% erfüllt. Die Autos sollten gut aussehen, was sie tun, sie sollten relativ schnell geradeaus fahren, was sie taten, geräumig sein, was sie sind, und fantastisch klingen, was sie tun. Gut, damals sollte das Paket, wie schon gesagt, für den Durchschnittspöbel bezahlbar sein. Das sieht heut zutage leider etwas anders aus.

Das erste und das letzte Modell:

Das erste Modell, das den Begriff „Muscle Car“ später definieren sollte, war der 1964er Plymouth GTO. Und obwohl das Zeitalter der Muscle Cars offiziell 1973 zu Ende ging, bin ich der Meinung, dass es nach Erscheinung des 1971 Hemi ‚cuda nur noch bergab ging und somit die letzten zwei Jahre mehr oder minder irrelevant sind.

Die Räder:

Räder sind bei jedem Auto relativ essenziell. Nicht nur um die Fortbewegung zu gewährleisten, sondern auch ästhetisch. Besonders bei klassischen Modellen kann man hier viel falsch machen- und nicht selten greifen die Leute völlig daneben, aber ganz besonders bei Muscle Cars sollte man wissen, was man macht. Auf solche Karren gehören 15 Zoll Felgen, ein ordentlich saftig dimensionierter Reifen mit weißer Beschriftung auf der Flanke. Relevante Felgenhersteller sind: American Racing und Crager’s. Alternativ kann man auch guten Gewissens einfach die Serien Sthal/Alu/Chrom-Felgen montieren. Das ist in diesem Fall absolut keine Schande, denn oft passen die Serienfelgen 1A.
Was man gefälligst zu vermeiden hat, ist irgendwelche affigen 20 Zoll Chromfelgen mit Niederquerschnittsreifen auf solche Klassiker zu klatschen. Ganz ehrlich, solche Leute gehören erschossen. Lasst den Scheiß!

Die Motoren:

Da Muscle Cars auf Großserienmodellen basierten, gab es die Basismodelle auch mit entsprechender Basis Motorisierung. In den meisten Fällen waren das kleine Reihensechszylinder oder V6 Motoren. Außer für Hausfrauen und Deppen waren diese Agregate aber nicht relevant. Relevant waren die zahlreichen V8s. Die Listen an möglichen Small Block oder Big Block Motoren für die einzelnen Modelle waren beachtlich. Und wer sich gut mit seinem Händler verstand, konnte sogar noch mal stärkere Motoren bestellen, die gar nicht auf der Ausstattungsliste standen. Ein absoluter Traumzustand. Hier jetzt ins Detail zu gehen würde den Rahmen sprengen. Aber um es kurz zu machen: In der Regel werden bei diesen Motoren immer Zahlen wie „429“ oder „440“ gesprochen. Diese Zahlen stellen den Hubraum in Kubiklitern dar. Im Prinzip gilt: Je größer die Zahl- desto besser. Die Spanne der Hubraumgrößen reicht von 262 cu (4.3 Liter) bis zu 572 cu (9.4 Liter).

Das Getriebe:

Es gab die Option eines Automatikgetriebes. Und da die Amis nun mal faule Fettsäcke waren/sind und es von Ihren bisherigen Automobilen nicht anders kannten, haben bedauerlich viele diese Option gewählt. Heut zutage erkennt man diese Modelle sehr einfach, auf dem Gebrauchtwagenmarkt- das sind nämlich die „günstigen“. Wer es richtig machen wollte, kaufte sich natürlich einen Handschalter, meist eine 3-4 Gang H-Schaltung und rüstete auf einen Hurst Shifter um. Die so ausgelieferten Modelle in Kombination mit großen Motoren sind preislich heute leider fern ab der Mittelschicht gelistet.

Soweit, so basic. Die Grundlagen sollten nun verstanden sein und diejenigen unter Euch, die bereits all das und noch viel mehr wussten, können sich gerne darüber aufregen, wie viel Stoff ich ausgelassen habe und mich korrigieren.

Als nächstes wird eine visuelle Auflistung der relevantesten, stärksten, schönsten, coolsten und vergessenen Modelle kommen. Macht Euch auf eine Bildgewalt gefasst.

Bis dahin, bleibt am Gas!

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