Assi-Kiste. Jugendlicher mit Migrationshintergrund, der sich das Auto mit 20 Familienmitgliedern teilt, um die Kosten dafür aufzubringen. Vorfacelift mit gefälschten Facelift-Teilen aufgepimt um an der Dönerbude auf dicke Hose zu machen. Wahrscheinlich 200.000KM auf dem, auf 52.000 runtergedrehten, Zähler. Das sind weitgehend die Vorurteile, die einem in den Kopf kommen, wenn man dieses Auto sieht. Stimmts? Gebt’s zu! Und wenngleich die Grundlage eines jeden Vorurteils meist Tatsachen sind, liegt man hier herrlich falsch. Genauso wie bei dem Vorurteil der Berufsgruppe des Besitzers; Juristen- Alles spießige Langweiler. Aber die Wiederlegung dieser Klischees ist nur ein Teil dessen, was dieses Auto interessant macht.


Wer einen zweiten, genaueren Blick riskiert, wird bemerken, dass die Zierleisten nicht geschwärzt sind. Die hierzulande fast unbekannten, nicht unbedingt billigen, und extrem gut zum Auto passenden Felgen. Die Carbon Schwelleransätze, Spoilerlippe und Heckdiffusor. Und wer das Auto live sieht, wird zu aller erst den Sound bemerken. Denn der ist laut. Richtig laut. Dazu aber im späteren Video mehr.


Aber fangen wir am Anfang an.

Ursprünglich handelt es sich um ein 2011er C63 Coupe Facelift mit Perormance Paket, welches nebst, auf 486PS angehobener Leistung, den roten Bremssätteln, vor Allem- ganz wichtig, ein gesperrtes Differenzial umfängt. Dazu auch zu einem späteren Zeitpunkt mehr. Zudem ist das Auto von Werk aus matt Schwarz lackiert. Nix foliert, also.


Wenn dann aber in der Garage die gleiche Kiste, nur in Silber, rumsteht  und man im Freundeskreis Jemanden hat, der eine recht ausgeprägte Affinität zu Fahrzeugmodifikationen hat, nennen wir diese Person einfach mal „Ben“, hält man recht schnell eine Bestellliste, mit durchzuführenden Umbauten in der Hand. Und wenn man so eine Liste schon mal in der Hand hat, arbeitet man sie halt auch ab…


Von Anfang an stand fest: Das Ding muss laut werden. Klappenauspuff also.

In diesem Fall ist eine Komplettanlage mit optimiertem Fächerkrümmer, Downpipes, zwei 200 Zellen Kats und neuen Endschalldämpfern verbaut. Auf eine X-pipe wurde zu Gunsten einer erträglichen Geräuschkulisse im Innenraum verzichetet- man verbringt halt während der Fahrt eine nicht zu verachtende Zeit im Innenraum des KFZs.


Wenn denn aber schon der Auspuff neu kommt, macht man halt auch das Steuergerät und den Luftfilter neu. Mit dem Resultat, dass lt. Prüfstand jetzt 570PS und 640 NM anliegen. Besten Dank an dieser Stelle an EdoCompetition für ein rundum extrem zufriedenstellendes Ergebnis!

Als nächstes wurde überlegt, auf Karosserieteile vom Black Series zurück zu greifen. Da es sich hier aber nun mal nicht um einen BS handelt, wurde davon abgeraten und die Entscheidung fiel schlussendlich auf das Carbon-Paket von Vörsteiner. Die Passgenauigkeit sei an dieser Stelle als nicht ganz Preis-gerecht erwähnt.


Und dann kam die größte Baustelle: Die Felgen.


Da es ein Rad werden sollte, das A) nicht jeder Aff‘ fährt, B) TÜV hat C) nicht nur nicht Scheisse, sondern überragend gut, aussieht (was im Prinzip alle deutschen Hersteller ausschließt) und D) zu 100% zum Auto passt, wurde die Auswahl auf HRE und ADV1 eingegrenzt. Nachdem HRE Deutschland zu erst zugesichert hatte, dass es für die dreiteilige S101 Felge ein Gutachten gäbe, sich das aber nach 294 fachem Hinterhertelefonieren und Nachfragens als falsch herausstellte, wurden Christian und Markus von ATT-Tec, die Vertriebspartner für ADV1 in Deutschland sind, kontaktiert. Ursprünglich sollte es ja eine dreiteilige Felge werden, da gestuftes Tiefbett und polierte Lippe eigentlich Pflicht waren. Leider kann aber auch ADV1 für dreiteilige Felgen keine Gutachten anbieten- bzw. können sie schon, würde dann aber so um die 30.000€ kosten. Besten Dank dafür, an den deutschen TÜV.



Also wurde auf eine 2-teilige Felge umgesattelt und zwar die ADV5.0 M.V2 CS in 8,5×19 und 10×19 Zoll. Wie sich später herrausstellte, wären vorne noch 0.5 oder sogar 1′ mehr gegangen.


Überraschender Weise fiel die Farbwahl recht schnell auf Matt-Schwarz. Da die fehlende, polierte Lippe irgendwie ausgeglichen werden musste, wurde sich für die „exposed hardware“ Variante entschieden, bei der man die Schrauben sieht, welche in diesem Fall poliert sind. Zudem wurde die Radnarbenabdeckung ebenfalls matt lackiert und der ADV1 Schriftzug silber hervorgehoben. Die silbernen, statt der serienmäßigen schwarzen Radmuttern setzten zusätzlich einen schönen Akzent und Kontrast.
Ohne großkotzig klingen zu wollen, ist diese Felgenkombination auf einem C63, zumindest soweit uns und ADV1 bekannt, weltweit einzigartig.- Kammer machen!


Aber wie fährt sich der Koffer denn nun?

Wie ein Daimler. Bodenwellen, Schlaglöcher etc. werden selbst im Sport+ Modus, kaum merklich, geschluckt. Die Lenkung ist bei weitem nicht so direkt wie bei einem, zum Vergleich doch recht naheliegenden M3, was hier aber garnicht mal negativ zu Buche schlägt. Direkt genug, um als „sportlich ausgelegt“ bezeichnet zu werden, ist das Ganze alle Mal und passt somit zum Fahrzeug. Jetzt könnte man her gehen und das Gleiche über das Getriebe sagen. Ich bin grundsätzlich kein Freund von „automatisierten Schaltgetrieben“. Außer im Ferrari Scuderia und Speciale, in denen das System auch Sinn macht, verfluche ich diese Dinger. Hier, im C63 merkt man doch schon deutlich, die berühmte Denksekunde so, dass man sich beim angasen denket „das könnte ich von Hand auch schneller..“. Aber gut, man kann nicht Alles haben und die meisten Alltags-Fahrer stört es meist ganicht.

Im AMG GTS zeigt Daimler allerdings, dass sie es auch besser können.

Der gute Newton hingegen macht sich, aller spätesten nach der Optimierung durch EdoCompetition, ausschließlich positiv bemerkbar. Immer und überall. In jedem Gang, bei jeder Drehzahl schiebt er den Koffer nach vorne. Das Profil der Heckgummis verabschiedet sich gleicher Maßen ambitioniert. Sehr geil. Auf Dauer nicht billig. Aber geil.

Die Langstrecken-Tauglichkeit ist, dank des extrem gut gebauten Auspuffs von Edo, uneingeschränkt beibehalten worden. Im Stadtverkehr blubbert der V8 vorne gemächlich vor sich hin, beim angasen schreit er los und wird dann tatkräftig von den Endtöpfen her unterstützt. Da auf die X-Pipe verzichtet wurde, wirkt die Soundkullisse in der Fahrgastzelle fast schon isoliert. Mich, als Purist, stört das etwas. Ich bin der Meinung ein Auto sollte vom Motor bis zum Endrohr durch klingen und nicht großartig manipuliert werden. Für die Ohren schonender ist diese Lösung hier aber definitiv eher.


Zur Optik bleibt mir noch zu sagen, dass man meinen würde, in einem schwarzen Mercedes würde man in einem Groß-Kaff wie Frankfurt eh nicht weiter aufallen…

Denkste. Jeder guckt die Karre an. Ob das daran liegt, dass die matt schwarze Farbe auf dieses Auto so gut passt, wie auf nur wenige Andere (Aventador und G63/65 sind hier besonders herrausragende Kandidaten), weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass wirklich jeder guckt. Jung, alt, Bubb und Weib. An der Ampel hörst Du da auf einmal von zwei Spuren weiter links hinten: „Eyyyy gib ma Gas Jungeee“, auf der Autobahn will jeder ein Rennen mit Dir anfangen und Du kannst Dir sicher sein dass, wenn Du spät Abends oder Nachts auch nur daran denkst durchs Frankfurter Bahnhofsviertel zu fahren, Du garantiert in eine Polizeikontrolle kommen wirst. 8 Mann/Frauen stark und MP5 im Anschlag inklusive.

Das Auto ist also extrem vielseitig und sorgt garantiert für eine gehörige Portion Spaß. Ob einem als Fahrer selbst, oder Passanten, die sich freuen das Auto zu sehen und zu hören. Spaß wird hier groß geschrieben. Außer Du sitzt in einem Audi und willst einen auf der Autobahn nicht vorbei lassen, oder versuchen dran zu bleiben. Dann hast Du nicht mehr so viel Spaß.

Als letzte Baustelle bleibt einzig das Fahrwerk. Tja, so eine Garageneinfahrt kann halt schon ’ne Bitch sein. Aber es ist ja nicht so, als hätte KW hierfür keine Lösung anzubieten… Man darf also gespannt bleiben, was der kommende Sommer für diesen Daimler noch bringt.

Die Umbaudaten im Überblick:

Motortuning:                 Edo Competition
Auspuff inkl. Krümmer:       Edo Competition
Frontspoilerlippe:           Vörsteiner
Heckdiffusor:                Vörsteiner
Seitenschweller:             Vörsteiner
Felgen:                      ADV5.0 M.V2 CS
                             VA: 8,5×19 Zoll
                             HA: 10×19 Zoll
Reifen:                      Conti Sport Contact 5P
                             VA: 235/35/19
                             HA: 265/30/19

Links:
ADV1 Germany + Vörsteiner Germany
Edo Competition

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