Nüchtern betrachtet handelt es sich hierbei um einen gut gemachten Action-Film ohne Tiefgang und einer Story flacher als die Brust eines vorpubertären Hipster-Girls.


Aber warum wird der Streifen, nicht nur unter eingefleischten Film-Fans, als einer der Besten der letzten 10 Jahre+ gehandelt? Die einfache und offensichtliche Antwort dazu lautet: Weil sonst nur Dünnpfiff produziert wurde- und wird.

Nebst „The Raid“ und „The Raid 2″(Kritiken folgen) ist John Wick tatsächlich der einzige Film des Action-Genres, der positiv auffällt. Das liegt nicht nur an seiner sehr stylischen Optik, einem spitzenmäßig besetzen- und sich in Top-Form befindenden- Keanu Reeves, sondern auch dem sehr passend gewählten Soundtrack und der herrausragend gemachten Action. Die Actionszenen sind deswegen bemerkenswert, weil sie meist mit extrem wenigen Schnitten umgesetzt wurden. Das erfordert nebst einem sehr gut geschriebenen Drehbuch, auch eine perfektionierte Choreographie und eine damit abgestimmte Kameraarbeit. Zudem wird nicht selten ein gewisser Realismus mit dem Film in Verbindung gebracht. Diese Aussage wird oft belächelt, weil nicht verstanden wird, was damit gemeint ist. Doch Jeder, der Erfahrung im Umgang mit einer Schusswaffe hat versteht, in der Regel, worauf sich der Realismus hier bezieht.


Die Art wie Wick die Waffen hält, mit Ihnen umgeht, die Tatsache, dass auch mal daneben geschossen wird, der „Held“ auch mal getroffen wird und – man halte sich fest- nachgeladen wird. Ja wirklich, ein Actionfilm, indem Waffen nachgeladen werden. Das sind durchaus als realistisch zu bezeichnende Höhepunkte des Films. Das Gleiche gilt für die Nahkampfszenen. Da wird nicht großartig rumgemacht, weil’s cool aussieht, sondern effektiv und realistisch gekämpft. Klar muss das für die breite Zuschauermasse noch halbwegs ansehnlich verpackt werden, das stand hier wohl aber, dankenswerter Weise, nicht im Vordergrund.


Hinzu kommt der – und das ist ernst gemeint, emotionale Teil, mit dem sich viele, bewusst oder unterbewusst, indentifizieren können.
Man stelle sich vor, man sei ein extrem talentierter und hervorragend ausgebildeter Auftragskiller, mit  ca. 2 Dekaden Berufserfahrung. Es ist zu mutmaßen, dass diese Art der Berufung nicht allzu viel Platz für zwischenmenschliche Beziehungen, oder generell etwas Anderes zulässt, zudem man eine positive Bindung aufbauen kann. In dieser Situation sei es Einem trotzdem vergönnt, ein Weltklasse-Weib an der Seite zu haben, das einem Alles bedeutet und die einzige Quelle positiver Einflüsse im Leben darstellt. Weil das Leben aber für die meisten von uns nun mal ein Arschloch ist, entscheidet es, diese Person sterben zu lassen, sodass man selbst nichts dagegen machen kann. Blöde Situation. Um die wenig positive Situation wissend, mit der sie einen nach ihrem Abgang stehen lässt, hat die gute Dame aber für Ersatz gesorgt, indem Sie ihre Position durch einen kleinen, unschuldigen und sehr coolen Hund füllt. Hunde sind ja grundsätzlich Sympathieträger Nummer Eins des Menschen, aber besonders ausgewiesene Hundefreunde werden verstehen, wie schnell eine positive Bindung zu ihnen entstehen kann. Der Hund hat also extremen, außerordentlichen, sentimentalen Wert für Mr. Wick.


Man stelle sich jetzt weiter vor, man befände sich in dieser Situation (ausgebildeter Killer + Verlust aller positiven Einflüsse im Leben) und man müsste zusehen, wie einem mutwillig der Hund gekillt wird. Wie würde wohl die eigene Reaktion ausfallen?… Richtig, in etwa so wie im Film „John Wick“.


Der grundsätzlich dezente Look des Films wird hier und da durch stylische Höhepunkte, wie zum Beispiel die Clubszenen im „Red Circle“ unterbrochen, welche hervorragend durch den Score von Tyler Bates und Joel J. Richard, sehr atmosphärisch, untermalt werden. Hier eine kleine Hörprobe: John Wick Soundtrack

Was gibt es sonst noch zu erwähnen?!..
Ach ja, Michael Nyqvist gibt einen der sympathischsten Bösewichte ever, was ihn als „Bösewicht“ denke ich recht unbrauchbar macht, aber nichts desto Trotz gefällt mir seine Rolle sehr und auch wie er sie spielt. Was mich allerdings massiv gestört hat, war die extrem melodramatisch und unglaubwürdig wirkende Endkampfszene zwischen ihm, in der Rolle von Unterweltboss Viggo und John. Das hätte man besser machen können, zumal den gesamten Film über, wie schon erwähnt, Kampfszenen kurz und knackig gehalten wurden. Hoffen wir mal, dass das im 2. Teil besser gelöst wird.


Ganz beiläufig sei auch erwähnt, dass Wick zwei der coolsten Muscle Cars der 60er/70er Jahre fährt.- Einen 69er Mustang Fastback und einen 1970er Chevelle SS. Leider aber auch einen „fragmichnichtnachdembaujahrhaufenplasikmüllnamensdodgecharger“.
Hätte ich auch nur im entferntesten Einfluss auf die Produktion des Films gehabt, wären wohl gut 30 Minuten für die Szene in Aurelio’s Werkstatt drauf gegangen. Man, was da so alles rumteht; Ein Ford GT40 Replica, ein Harley Dyna Bobber, ein ’68er Charger, Austin Healey und so weiter..
Dem aktuellen Trailer zum zweiten Teil, der im Februar anläuft, nach zu urteilen, feiert übrigens sein 1969er Mustang ebenfalls ein Comeback!


Alt bewehrte Action, der bekannte Style, coole Autos und ein neuer Hund erwarten uns also. Was will Mann mehr?

Wer jetzt Bock auf den Film bekommen hat, der kann ihn sich hier günstig, Achtung, Wortwitz- schießen:
John Wick auf Blue Ray

Und weil ein guter Film nur wirklich gut im (Heim)-Kino kommt, schaut Euch doch auch noch folgenede Hardware an:
Samsung TV und Teufel Heimkino Soundsystem

WERTUNG:   8.5/10

One Comment on “John Wick | Kurzkritik

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